Hinweis: Dieser Newsletter thematisiert sexualisierte Gewalt, körperliche und psychische Gewalt sowie
Grenzverletzungen!
Hallo liebe Schüler, Lehrer, Eltern, Ehemalige und Freunde!
die Deutsche Provinz der Salesianer Don Boscos hat eine unabhängige wissenschaftliche Studie zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch und anderen Formen von Gewalt an Minderjährigen in Auftrag gegeben. Die Untersuchung wird von einem Forschungsteam des Universitätsklinikums Jena und der Ludwig-Maximilians-Universität München durchgeführt und betrachtet den Zeitraum von 1945 bis 2023.
Als Ehemaligenverein möchten wir über die Studie informieren und alle ehemaligen Schülerinnen und Schüler, Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen sowie weitere Zeitzeuginnen und Zeitzeugen auf die Möglichkeit zur Beteiligung aufmerksam machen.
Worum geht es bei der Studie?
Ziel ist es, die Geschichte der Einrichtungen der Salesianer Don Boscos und die jeweiligen zeitlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge möglichst umfassend zu untersuchen. Neben der Auswertung von Akten und historischen Dokumenten sollen deshalb auch die persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen ehemaliger Schülerinnen und Schüler, Bewohnerinnen und Bewohner, Mitarbeitender und weiterer Zeitzeugen einbezogen werden.
Dabei geht es nicht ausschließlich um belastende Erlebnisse. Auch Erinnerungen an den Schulalltag, an Gemeinschaft, Unterstützung, pädagogische Erfahrungen und prägende Personen können dazu beitragen, ein möglichst differenziertes Bild der damaligen Lebenswirklichkeit zu erhalten.
Von besonderer Bedeutung sind zugleich Berichte über Grenzverletzungen sowie körperliche, psychische, sexuelle oder geistliche Gewalt. Jede Erfahrung kann einen wichtigen Beitrag zur unabhängigen wissenschaftlichen Aufarbeitung leisten.
Vertrauliche und anonyme Beteiligung
Für die Studie wurde eine Onlineplattform des Universitätsklinikums Jena eingerichtet. Dort können Betroffene, Zeitzeugen und andere Personen ihre Erfahrungen direkt dem unabhängigen Forschungsteam mitteilen.
Eine Meldung kann auf Wunsch anonym erfolgen. Die Entscheidung, ob der eigene Name gegenüber den Forschenden genannt wird, liegt bei der jeweiligen Person. Der Ehemaligenverein erhält keinerlei Einblick in die eingehenden Meldungen. Auch die Deutsche Provinz der Salesianer Don Boscos erhält nach den uns mitgeteilten Verfahrensgrundsätzen keine personenbezogenen Informationen zur Identität anonym meldender Personen. Die offizielle Einladung weist ausdrücklich auf die vertrauliche Mitteilung persönlicher Erfahrungen hin.
Was geschieht bei einem bislang nicht bekannten Verdachtsfall?
Nach den uns von der Deutschen Provinz erläuterten Verfahrensgrundsätzen gilt:
Ergeben sich aus den Mitteilungen Hinweise auf einen bislang nicht bekannten mutmaßlichen Täter, informiert das Forschungsteam die Deutsche Provinz über den Verdachtsfall. Die zugesicherte Anonymität der meldenden Person bleibt dabei gewahrt.
Die Salesianer Don Boscos sind nach den derzeit geltenden kirchlichen Regelungen verpflichtet, einen entsprechenden Verdachtsfall den zuständigen Stellen im Vatikan zu melden. Der Sachverhalt muss untersucht werden; dabei sind auch die zuständigen staatlichen Stellen einzubeziehen. Die kirchenrechtliche Prüfung und die abschließende kirchliche Entscheidung erfolgen in Rom.
Darüber hinaus hat sich die Deutsche Provinz verpflichtet, sämtliche bekannt werdenden Verdachtsfälle an die jeweils zuständige deutsche Staatsanwaltschaft weiterzugeben. Dies ist nach Angaben der Provinz auch bei den bereits bekannten älteren Fällen erfolgt.
Das Forschungsteam der Universität erstattet hingegen nicht selbstständig Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, wenn im Rahmen der Studie ein neuer Name genannt wird. Damit soll das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen gewahrt werden. Nicht jede betroffene Person möchte durch ein möglicherweise langwieriges Strafverfahren erneut mit belastenden Erlebnissen konfrontiert werden oder alte Wunden aufreißen lassen.
Vorgehen bei aktuellen Meldungen
Bei heutigen beziehungsweise aktuellen Verdachtsfällen ist in der jeweiligen Einrichtung ein Team unter Beteiligung der zuständigen Schutzbeauftragten und der Einrichtungsleitung für die erste Einschätzung einer Meldung verantwortlich.
Ergeben sich daraus dienstrechtliche, strafrechtliche oder andere weitergehende Fragestellungen, wird der Provinzialvikar informiert. Dieser beruft ein weiteres zuständiges Team ein, das den Sachverhalt bewertet und gemeinsam mit der Einrichtungsleitung die erforderlichen Schutz- und Folgemaßnahmen veranlasst.
Einladung zur Beteiligung
Wir möchten alle Ehemaligen ausdrücklich ermutigen, sich mit ihren Erfahrungen an das Forschungsteam zu wenden – unabhängig davon, ob sie positive, schwierige oder belastende Erinnerungen mit ihrer Zeit in einer Einrichtung der Salesianer Don Boscos verbinden.
Die Entscheidung über eine Beteiligung liegt allein bei jeder einzelnen Person. Niemand muss seinen Namen nennen oder sich gegenüber dem Ehemaligenverein, der Schule oder den Salesianern offenbaren.
Weitere Informationen zur Aufarbeitungsstudie und den Zugang zur vertraulichen Onlineplattform finden Sie auf der offiziellen Informationsseite der Salesianer Don Boscos.
Mit freundlichen Grüßen,
der Vorstand des Ehemaligen Vereins.
Andrea Goldmann, Cedric auf der Lake, Tim Selke, Luis Schopp, Elias Brechmann